Mittendrin im Leben – „Cafe B“

Im Pfarrheim St. Johannes treffen sich alle zwei Wochen Senioren im „Cafe B“

SUDERWICH. Jedes Kind muss einen Namen haben. Einen Namen, der einprägsam und einladend zugleich ist. „Cafe B“ klingt ja auch viel besser als das sperrige „Montagsgruppe“. Drum fiel den Aktiven im Suderwicher Caritas-Netzwerk „mittendrin“ die Umwidmung auch nicht schwer. Ab sofort hat das „Cafe B“ für Senioren über 50 Jahre aus Suderwich und Essel alle zwei Wochen montags im Pfarrheim von St. Johannes, Kirchstraße 17, geöffnet.

Die Idee liegt Pastoralreferentin Renate Bothen am Herzen. Sie spiegelt sich im neuen Namen wider. Das „B“ steht für Begegnung, Beziehung und Begleitung. „Viele ältere Menschen sind nach Suderwich gezogen“, weiß Renate Bothen. „Sie wohnen in Altenwohnungen und sind allein.“

Die regelmäßigen Treffen sollen Abhilfe schaffen. Seit Januar schon gibt es alle 14 Tage montags von 15 bis 17 Uhr Kaffee und Kuchen und viel Zeit für Gespräche und Spiel. „Aus der Begegnung ergibt sich eine Beziehung, und wenn alles gut läuft, kann sich eine Begleitung durch den Alltag ergeben“, erklärt die Pastoralreferentin den Ansatz.

Am vorderen Tisch haben die Damen die Torte zur Feier des Tages schon verspeist. Die Steine des Denkspiels „Tridom“ liegen ausgebreitet vor ihnen. „Man braucht doch Menschen um sich“, sagt Margund Rengers und greift sich einen Spielstein. „Die Ulla“ sitze ihr gegenüber. „Wie sie weiter heißt, weiß ich gar nicht“, sagt die 85-jährige. Die Frauen lachen. Vornamen reichen ja auch. „Wenn man den ganzen Tag allein ist, verblödet man doch“, mein Margund Rengers.

Für Renate Bothen kommt die Entwicklung nicht von ungefähr. „Essel verkommt zu einer Schlafstadt“, hat sie festgestellt. Tagsüber könne sie durch den Ortsteil laufen, ohne einem Menschen zu begegnen. Die Jungen sind zur Arbeit, die Älteren sitzen allein zu Hause. „Viele haben ihre Kinder nicht vor Ort und sind froh, wenn einfach jemand zum Arzt oder einkaufen mitgeht.“ Im Kleinen könne ein Gefühl wachsen, nicht mehr allein zu sein. So wie bei Franz Komeinda (83), der zum ersten Mal dabei ist. „Einsamkeit macht krank“, weiß der Witwer. Da sei das Cafe B eine kluge Sache. „Ich bin gespannt, ob ich eine Begleitung finde.“

 

Info

Mehr als Geld sammeln

Seit dem Jahr 2000 prägt das Caritas-Netzwerk „mittendrin“ das soziale Leben in Suderwich und Essel. Die Aktiven gaben sich damals nicht damit zufrieden, von Haustür zur Haustür zu gehen und um Spenden für Benachteiligte und Bedürftige zu bitten. „Das kann nicht alles sein“, war der Tenor. Eine Zukunftswerkstatt entwickelte neue Ideen. „mittendrin“ wurde entwickelt, um die Caritas- und Gemeindearbeit miteinander zu vernetzen.

Unter anderem wurde eine Hotline für Ehrenamtliche ins Leben gerufen – und als neuestes Projekt im Januar das Treffen für Senioren ab 50 Jahre aus Suderwich und Essel.

Artikel (mit Bild) im PDF-Format

Quelle: Druckausgabe der Recklinghäuser Zeitung vom 22.08.2013 – http://www.recklinghaeuser-zeitung.de/

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